Schweizer Ausstellung: Game Design Today

Museum für Gestaltung Zürich, Toni-Areal

Roger

Videospiele haben sich innerhalb kürzester Zeit von einem Nischenprodukt zu einem Massenphänomen entwickelt. Die Ausstellung Game Design Today wirft einen Rundumblick auf die zeitgenössische Videospielkultur mit Fokus auf Designprozesse. Sie lädt die Besucher ein, diverse Titel auszuprobieren und sich von der unglaublichen Vielfalt an Charakteren, Geschichten und Zugängen inspirieren zu lassen.

Videospiele gibt es seit nunmehr fünfzig Jahren. In dieser kurzen Zeit liess sich – einhergehend mit technologischen Fortschritten – ein rasantes Wachstum dieses Kreativzweigs beobachten. Dabei sind Games und deren Designer längst nicht mehr nur ein wichtiger Motor für die Unterhaltungsindustrie. Heute beeinflussen Games Kunst, Theater und Film ebenso wie Bildung oder Forschung. Game Design Today wirft einen Rundumblick auf die zeitgenössische Computerspielkultur – von Blockbustern über Produktionen kleiner Studios bis hin zu den experimentellen Grenzbereichen des Mediums. Viele der Titel können in der Ausstellung gespielt werden und bieten unkonventionelle Erfahrungen. So können sich die Besucher mitunter spielend fit trainieren, in der Gruppe Inhalte gemeinsam erleben oder mit Game-Charakteren im Chor singen. Die Ausstellung lädt dazu ein, in digitale Welten abzutauchen und sich von der unglaublichen Vielfalt an Figuren, Geschichten und Zugängen inspirieren zu lassen.

Designprozess, Arbeitsmethoden und Inhalt

Eine differenzierte Betrachtung des Mediums mit seinen vielen Facetten und Qualitäten kam bislang zu kurz. Genau hier setzt die Ausstellung an: Sie bietet vertiefte Einblicke in die Designprozesse und Arbeitsmethoden internationaler Produktionen und zeigt auf, wie sich Games mit gesellschaftlich drängenden Themen wie Diversität, Klimakrise, Forschung, Migration oder der Schnittstelle von Mensch und Technologie auseinandersetzen.

So spielt der griechische Künstler Theo Triantafyllidis in seiner Arbeit "Painting", 2018 bewusst mit Genderklischees in Videospielen und macht queere Kultur sichtbar. In der Performance AntiGone zeigt er zudem eindrucksvoll die Potentiale der Verschmelzung von digitalen Games und analogem Theater auf.

Das Schweizer Startup Sphery steht für einen innovativen Designansatz, bei dem Forschung und Entwicklung für ein interaktives Bewegungsspiel – ein sogenanntes Exergame – Hand in Hand gehen. Mit ihrer immersiven Fitness-Game-Umgebung Exercube, die körperliches und geistiges Training in einem Spielerlebnis verbindet, adressieren sie längst nicht mehr nur sportfaule Couchpotatos sondern auch Leistungssportler oder Patientnen, die ihre Motorik und geistige Fitness gleichzeitig trainieren möchten.

Der Frage, wie sich Krieg anfühlen kann, widmet sich das Antikriegsspiel "This War Of Mine". Es macht den bedrückenden Alltag von Zivilisten im Kriegsgeschehen sichtbar und stellt die Spieler vor zahlreiche moralische Dilemmata. Das von 11 Bit Studios entwickelte Game hat es unlängst in den Lehrplan der Oberstufe in Polen geschafft – als erstes überhaupt – und ist, nicht zuletzt mit Blick auf die derzeitige Weltlage, aktueller denn je.

Mario von Rickenbach und Michael Frei sind aus der Schweizer Gameszene nicht mehr wegzudenken. Das ungleiche Duo – Game Design trifft hier auf Animationsfilm und düsteren Humor – kreiert heute Games der skurrilsten Sorte. Das international renommierte iPad-Game "Plug & Play" – ein Kammerspiel, geht mit zwischenmenschlichen Beziehungen auf Tuchfühlung. Bitterernst und zugleich unglaublich komisch beschäftigt es sich mit den Herausforderungen der Kommunikation in einer Paarbeziehung.

Dem südafrikanischen Studio Free Lives ist mit "Terra Nil" eine ganz unkonventionelle Spielmechanik gelungen. Anstatt wie in vielen Games üblich die unberührte Natur zu bebauen oder eine neue Zivilisation hochzuziehen, sind die Spieler dazu aufgefordert, lokale Ökosysteme wieder zu renaturieren. Da, wo sich der Mensch zurückzieht, entstehen lebendige Naturschutzgebiete. Das Team formuliert mit ihrem Titel ein Plädoyer für die unbedingt notwendige Achtsamkeit im Umgang mit unserem Planeten und seinen Ressourcen.

Laufzeit: 17. Februar bis 23. Juli 2023
Ort: Museum für Gestaltung Zürich, Toni-Areal
Vernissage: Donnerstag, 16. Februar, 19 Uhr
Kuratorium: Damian Fopp, Kurator Museum für Gestaltung Zürich, Maike Thies, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Game Design & Head of Interdisciplinary Innovation Departement Design, Zürcher Hochschule der Künste ZHdK

Öffnungszeiten

Dienstag–Sonntag: 10–17 Uhr
Donnerstag: 10–20 Uhr

Weitere Informationen zum Besuch sowie Öffnungszeiten an Feiertagen