Die Woche bei Activision Blizzard

Bobby Kotick steht im Zentrum der Vorwürfe

Karl Wojciechowski

Diese Woche war viel los bei Activision Blizzard. Die Ereignisse und Schlagzeilen rund um die Problematik der sexuellen Belästigung und Ungleichbehandlung von Frauen innerhalb der Firma überschlugen sich regelrecht. Wir geben euch hier eine Übersicht zu den Ereignissen der Woche rund um das Thema.

Was bisher geschah

Activision Blizzard gehört zu den grössten Gaming-Firmen weltweit. Mit den Rechten zu "Call of Duty", "World of Warcraft", "Diablo", "Crash Bandicoot" und vielen weiteren Franchisen, macht das Unternehmen einen jährlichen Umsatz von rund 2,2 Milliarden US-Dollar. Die ersten Vorwürfe wurden im Sommer durch den Staat Kalifornien erhoben. Einen Monat darauf trat Firmenpräsident J. Allen Brack von seinem Posten zurück. Es stellte sich jedoch heraus, dass dies erst der Anfang war. Im September hat sich die Belegschaft mit der U.S. Securities and Exchange Commission zusammengelegt und ihre eigene Klage eingereicht. Sie erzielten 18 Millionen US-Dollar Schadensersatz für die Ungleichbehandlung zwischen den Geschlechtern, eine Summe, die Activision Blizzard aus der Portokasse bezahlen kann. Im Oktober wurde eine weitere Beschwerde in der Equal Employment Opportunity Commission von der Communications Workers of America eingereicht.

Das Unternehmen zeigte jedoch wenig Einsicht. So reagierte Activision Blizzard auf die Vorwürfe des Department of Fair Employment and Housing mit einem Statement, dass die Berichte ungenau und an vielen Stellen unwahr seien. In einer E-Mail teilte die Firma den Mitarbeitenden mit, dass ein falsches Bild von Activision Blizzard gezeichnet werde.

Die Nachricht erregte die Missgunst der Belegschaft. In einem offenen Brief an Activision Blizzard, unterzeichnet von 2´600 Mitarbeitenden, wurde die Antwort auf die Vorwürfe stark kritisiert. Später folgten Streiks.

Im Oktober versprach Activision Blizzard, dass alles dafür getan werde, die Probleme innerhalb der Firma zu beseitigen. Die Regel bezüglich Belästigung sollte nun "Null Toleranz" heissen. CEO Bobby Kotick machte bekannt, dass er bei der zuständigen Stelle in der Firma einen Antrag gestellt habe, sein Gehalt auf 62´500 jährlich zu reduzieren. Früher im Jahr erhielt er eine Zahlung von 155 Millionen US-Dollar.

Bobby Koticks fragwürdige Rolle in der Firma

Einem Bericht des Wall Street Journals zufolge soll Bobby Kotick von den oben erwähnten Anschuldigungen gewusst haben. Um Schaden für die Firma zu vermeiden, habe er das Thema gegenüber der Leitung und den Mitarbeitern verschwiegen. Ähnliche Informationen wurden auch von dem gut in der Gamingbranche vernetzten Jason Schreier gegeben.

Die Berichte darüber, dass Kotick von den sexuellen Belästigungen innerhalb der Firma Bescheid wusste, waren gerade einmal der Anfang. Später wurden zahlreiche Fälle aufgeführt, in denen Kotick selbst Frauen in der Firma niederträchtig behandelt haben soll.

Kotick dementiert die Vorwürfe

CEO Kotick reagierte jedoch mit Dementi. In einer Nachricht auf der Website von Activision Blizzard stellte er sich als Verfechter der Gleichbehandlung dar:

"Jeder, der an meiner Überzeugung zweifelt, der möglichst einladende und integrative Arbeitsplatz zu sein, weiss nicht wirklich, wie wichtig mir das ist. (...) Wie ich deutlich gemacht habe, gehen wir mit einer neuen Null-Toleranz-Politik für unangemessenes Verhalten voran – und Null bedeutet Null. Jedes verwerfliche Verhalten ist einfach inakzeptabel."

Bobby Kotick, Activision Blizzard

Arbeitsniederlegung bei Activision Blizzard

Als Reaktion auf die Berichte haben zahlreiche Angestellte bei Activision Blizzard die Arbeit niedergelegt. Beteiligt waren mindestens 150 Angestellte. Sie fordern, dass Bobby Kotick als CEO der Firma entlassen werden soll. Eine Petition, die den Rücktritt Koticks fordert, hat bereits über 1´700 Unterschriften. Eine Gruppe von Aktionären schickte einen Brief mit der gleichen Forderung an die Konzernleitung.

Es handelt sich nicht um die erste Arbeitsniederlegung bei Activision Blizzard. Dies war ebenfall eine Reaktion, als der Staat Kalifornien erstmals die Klage einreichte.

Activision Blizzard steht zu Kotick

Jason Schreier erwähnte in dem Tweet weiter oben bereits, dass die Firma hinter Kotick stehe. Einem Bericht von Game Developer zufolge hat Activision Blizzard in einem Livestream am vergangenen Mittwoch auf die Frage, ob die Null Toleranz nun auf Kotick angewendet werde, geantwortet, dass es für die Vorwürfe keine Beweise gäbe, weil diese schon zehn Jahre zurücklägen.

An dieser Stelle soll auf einen Bericht von Bloomberg verwiesen werden der zeigt, dass Kotick zahlreiche Freunde im Vorstand hat, mit denen zusammen er in Vergangenheit ordentlich Geld verdient hat.

Xbox und PlayStation bewerten Partnerschaft mit Activision Blizzard neu

Am Donnerstag wurde berichtet, dass Xbox und PlayStation in Anbetracht der neuesten Vorwürfe die Partnerschaft zu Activision Blizzard neu bewerten wollen.

Phil Spencer kommentierte mit Blick auf seine eigene Firma Microsoft:

"Ich persönlich habe starke Werte für eine einladende und integrative Umgebung für alle unsere Mitarbeiter bei Xbox. Dies ist kein Ziel, sondern eine Reise, auf der wir immer bleiben werden. Die Führungskräfte von Xbox und Microsoft stehen unseren Teams zur Seite und unterstützen sie beim Aufbau einer sichereren Umgebung für alle."

Phil Spencer

PlayStation Chef Jim Ryan informierte seine Angestellten in einer E-Mail:

"Wir haben uns unmittelbar nach der Veröffentlichung des Artikels an Activision gewandt, um unsere tiefe Besorgnis auszudrücken und zu fragen, wie sie mit den in dem Artikel gemachten Behauptungen umgehen wollen. Wir glauben nicht, dass ihre erwiderten Erklärungen die Situation richtig ansprechen."

Jim Ryan

Sollten sich die beiden Plattformen gegen eine weitere Zusammenarbeit mit Activision Blizzard entscheiden, hätte dies schwerwiegende finanzielle Implikationen für die derzeit im Fokus der Presse stehende Firma.

Girls Who Code beendet Partnerschaft mit Activision Blizzard

Für andere Organisationen wurde die rote Linie bereits überschritten. So machte Girls Who Code bekannt, dass sie ihre Partnerschaft mit Activision Blizzard beendet. Die Non-Profit Organisation hat sich zur Aufgabe gemacht, die Lücke zwischen den Geschlechtern im Berufsfeld Programmierung zu schliessen und arbeitete seit 2018 mit Activision Blizzard zusammen.

In einer Stellungnahme heisst es:

"Unsere Priorität war und wird es immer sein, für Frauen und andere unterrepräsentierte Gruppen in der Technik einzutreten und sicherzustellen, dass sie die Unterstützung und Stabilität erhalten, die sie brauchen, um aktiv eine Karriere in der Informatik zu verfolgen. Die Nachrichten über Activision beweisen, dass unsere Prioritäten grundlegend falsch ausgerichtet sind. Wir können nicht guten Gewissens weiter mit einem Unternehmen zusammenarbeiten, das so gegensätzlich zu unseren eigenen Werten ist.

Girls Who Code

Nahezu täglich kommen neue Berichte über unakzeptables Verhalten innerhalb der Firma dazu. So hat ein Mitarbeiter einem Podcast des Wall Street Journals zufolge jahrelang seine E-Mails mit der Signatur "1-800-ALLCOCK" versendet. Die sich überschlagenden Schlagzeilen dieser Woche zeigen, dass Activision Blizzard vermutlich noch lange brauchen wird, um alle Ungerechtigkeiten und das nicht zu akzeptierende Verhalten bestimmter Mitarbeiter zu beseitigen.