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GameRights: Wieso Warnhinweise eine schlechte Idee sind

Vor etwas mehr als 2 Wochen erschien in der Pendlerzeitung "20 minuten" ein doch sehr provokativer Artikel zu den ach so bösen "Killerspielen". Hier noch die Reaktion von GameRights.

Thomas Riediker von GameRights hat uns gebeten den folgenden Artikel auch bei uns noch einmal zu veröffentlichen.

Habt ihr gewusst, das auf Grunde des "20 Minuten"-Artikels das Spiel "Bulletstorm" aus diversen Händler-Regalen geflogen ist? Unserer Meinung nach defintiv zu Unrecht.Eigentlich müssten diverse Politiker oder auch Journalisten für entsprechend "dumme" Aussagen ebenfalls von ihrem Job "fliegen"...

Hier also die Reaktion von GameRights:

Gross war die Empörungswelle, die durch die Gamergemeinde schwappte: Der VGMG, der offenbar mit der Geschwindigkeit des schweizerischen Gesetzgebungsprozesses unzufrieden ist, platziert sich mit gewagten Forderungen auf der Frontseite der Pendlerzeitung "20 Minuten". Obwohl das Parlament bereits umfassende Massnahmen gutgeheissen hat, die den Verkauf gewalthaltiger Spiele einschränken sollen, ist der Hunger nach mehr Regulation offenbar noch lange nicht gestillt. Roland Näf schlägt vor, wie dies bei Tabakprodukten bereits heute praktiziert wird, Warnhinweise auf Spieleverpackungen anzubringen. Diese sollen Botschaften wie „Dieses Videospiel verändert den Charakter Ihres Kindes und führt zu aggressivem Ver­halten“ enthalten, und somit den Kunden die Gefahren solcher Spiele vor Augen führen. Besonders durchdacht oder zweckmässig sind solche Hinweise beim genaueren Hinsehen aber nicht.

Erstens handelt es sich bei Zigaretten um ein Produkt, das durch medizinisch nachweisbare Stoffe effektiv die Gesundheit der Konsumenten beeinträchtigt; der Zusammenhang zwischen Zigarettenrauch und Krankheiten wie Lungenkrebs ist durch eine Vielzahl von Studien in den letzten Jahrzehnten immer wieder untermauert worden und kann als gut bestätigt angesehen werden. Der aggressionssteigernde Effekt von Videospieln hingegen ist wissenschaftlich umstritten. Nur schon seine rein psychologische Natur  erschwert die Nachweisbarkeit dieses vermuteten Effekts. Wo man bei Zigaretten chemische Substanzen hat, die nachweisbare Effekte auf den Körper haben, werden diese exakt messbaren Variablen bei der Agressionsfrage durch schwammige Konzepte wie „Agressionssteigerung“ und „gewalthaltige Medieninhalte“ ersetzt. Die Volatiliät dieser Konzepte erklärt dann auch, wieso die Forschung in diesem Bereich bis zum heutigen Tage solch unterschiedliche Ergebnisse liefert. Der Forschungsstand in diesem Gebiet ist also nicht mit jenem beim Tabakkonsum vergleichbar, und Warnhinweise wie „Dieses Videospiel verändert den Charakter Ihres Kindes und führt zu aggressivem Ver­halten“ wären eine glatte Lüge, und würden somit die Glaubwürdigkeit solcher Warnhinweise unterminieren.

Zweitens ist bereits jedes jugendgefähdende Spiel mit einem signalroten „18“-Emblem versehen, und es findet bereits jetzt eine Alterskontrolle statt. Eltern wissen bereits jetzt, dass diese Spiele nicht für Kinder geeignet sind, bei uneinsichtigen Eltern wird auch ein weiterer Hinweis nichts nützen - wer überzeugt ist, dass sein Kind mit solchen Inhalten umgehen kann, wird es auch weiterhin mit solchen Spielen versorgen. Obwohl GameRights ein solch verantwortungsloses Verhalten verurteilt, soll der erwachsene Bürger dies auch weiterhin tun können. Ziel muss es sein, die Bevölkerung weiterhin über die Wichtigkeit des Jugendschutzes zu informieren, und eine Aufklärungkampagne ist für den Jugendschutz sehr viel wirkungsvoller als ein weiterer Warnhinweis auf der Verpackung.

News Roger